Obertshausen – Zumba war gestern, „Jumping“ ist heute. Eigentlich gibt’s das gesunde Trampolin-Gespringe in Tschechien schon sei 2001. Jetzt ist die Trendsportart auch in Obertshausen angekommen. Was taugt’s? Selbstversuch eines bekennenden Bewegungslegasthenikers. Von Eva-Maria Lill

Hallo? Entschuldigung? Haben Sie meine Beine gesehen? Ich bilde mir ein, gestern hatte ich sie noch. Heute bin ich wie durch Treibsand zum Auto gekrochen. Mit Treppensteigen war auch nicht viel. Mag sein, dass ich es unterschätzt habe. Das „Jumping“. Dabei klang es beim Recherchieren gar nicht kompliziert: Sport auf dem Trampolin. Ein bisschen Hüpfen, ein bisschen Aerobic, ein bisschen Auf-der-Stelle-Laufen. Als Kleinkind hat das mit dem Springen auf Omis Dachboden auch geklappt. Kann ja nicht so schwer sein. Seit ein paar Wochen gibt es Kurse der Trendsportart in Obertshausen. Angeboten vom Rodgauer Fit for All. Im Reha-Point an den Samerwiesen, dienstags und freitags, jeweils um 18.50 und um 20 Uhr. Eine Stunde Trampolinhüpfen und dabei Kalorien verbrennen. Klingt super. Klingt einfach. Dachte ich.

Das „Jumping“-Konzept stammt aus Tschechien. Schon seit 2001 bringt es dort Sportliche und Sofahocker zum Schwitzen. Seit etwa zwei Jahren wird es auch in Deutschland beliebter. Das Besondere daran: der Körper arbeitet beim Springen in Intervallen gegen die Gravitation. Die Schwerkraft trainiert etwa 400 Muskeln. Hört sich anstrengend an, ist es auch. Wenn der Sportler am tiefsten Punkt des Trampolins die Knie beugt, wirkt das Doppelte seines Körpergewichts auf ihn. Wenn er nach oben federt, sogar das Vierfache. Trotzdem ist der Sport gelenkschonend und im Idealfall verbrennt der Hüpfende rund 750 Kalorien pro Stunde. Kein Wunder also, dass der Trend vor allem die typischen „Bin-ich-zu-dick-Schatz?“-Stellen zum Schmelzen bringen soll. Beine schlank, Jeans-Popo? Kein Problem, sagt „Jumping“.
Im Reha-Point bebt die Decke

Im Reha-Point an den Samerwiesen bebt die Decke. Ein Stockwerk obendrüber ist gerade eine Gruppe „Jumping“-Jünger auf den Geräten. „Hört man“, sagt Svenja Fuhrmann. Die 21-Jährige ist seit Juni ausgebildete Trainerin und leitet einige Kurse in Obertshausen. Schlank, klein, drahtig. Wenn ich nach dem Training so aussehe, bin ich zufrieden. Ponk, Ponk, Ponk dröhnt es von oben, der Puls hüpft im Putz, Beine zittern. Ein bisschen aufgeregt bin ich plötzlich schon.

Trainer Martin ist heute auch dabei, extra um der Presse-Frau beizustehen. Er zeigt mir, wie’s gehen soll(te). Bauch anspannen, leicht in die Knie, Beine hüftbreit. Und wichtig: Nicht nach oben, sondern nach unten springen. „Das ist für die meisten ungewohnt“, sagt Svenja. Für mich auch, zumal ich schon daran scheitere, beim Hüpfen konstant die Mitte des Trampolins zu treffen. Die Welt kippelt und ich schwanke. Festhalten ist trotz Stange vorn am Sportgerät verboten – außer in bestimmten Passagen. Rund 500 Euro kostet ein „Jumping“-Trampolin, dementsprechend teuer ist eine Kursstunde: elf Euro. Neun Sportgeräte stehen im Reha-Point, Seite an Seite. In Rodgau sind es 17. „Dort haben wir insgesamt über 100 Kursteilnehmer“, sagt Svenja. Chefin Marina Staneviciene freut’s. In Obertshausen sind es noch nicht so viele, der Raum ziemlich klein.

Musik stampft gegen Trampolinherzschlag. Wenn Svenja springt, dann fliegt sie. Kurz. Ihre Beine wiegen nichts, ihre Füße schwerelos. Wenn ich springe, sehe ich ein bisschen aus wie ein fettes Känguru. Martin grinst mich wissend an. Das Koordinations-Chaos ist mir erst peinlich, nach zehn Minuten aber total egal. Denn: „Jumping“ macht Spaß. Sehr viel sogar. Verlieren im Rhythmus, Aggressionsbewältigung, Beine trommeln gegen das Tuch. Am Ende taumel ich bei Muskeltraining und Entspannung.

Svenja wischt sich mit dem Handtuch Schweiß von der Stirn: „Das Tolle ist: ,Jumping’ macht energiegeladen. 15 Minuten braucht man danach, dann geht’s einem super. Teilnehmer haben mir erzählt, dass sie zuhause erstmal geputzt haben.“ Irgendwie gut geht es mir auch. Aber Putzen? Lieber nicht. Stattdessen fläze ich mit Svenja auf Sesseln im Empfangsbereich. Ich habe keine Ahnung, wie ich jemals wieder aufstehen soll. Der Boden aus Gummi, mein Puls kreischt. Sie grinst, lehnt sich zurück und sagt süffisant: „Alles nicht so schlimm. Das war ja nur der Anfängerkurs.“

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